
Allein die Tatsache, dass es einen Ostbeauftragten in der Regierung gibt, offenbart die Macht- und Herrschaftsverhältnisse im wiedervereinigten Deutschland. Es unterstellt, dass die Lebensverhältnisse im Westen Deutschlands ein Standard sind, an denen sich die Menschen im Osten Deutschlands orientieren sollen. Dies bezieht sich nicht nur auf wirtschaftliche Verhältnisse, sondern auch auf gesellschaftspolitische, soziale und kulturelle Fragen. Der Begriff und das Amt sind Ausdruck einer (gut gemeinten?) Arroganz. So eine Art Entwicklungshilfe Ministerium für den Osten.
Der Westbeauftragte zeigt die blinden Flecken im Selbstverständnis der Menschen und Institutionen im Westen auf.
Seine Aufgabe ist es, die im Hinblick auf Ostdeutsche Perspektiven unterbelichteten Wessis zu ermutigen ihre Ignoranz zu erkennen und zu überwinden. Wichtige Lernfelder sind:
Wie macht man eine friedliche Revolution?
Wie entwickelt man Antennen für Propaganda und Manipulation?
Wie unterscheidet man veröffentlichte- von öffentlicher Meinung?
Wie gestaltet man ein friedliches und solidarisches Miteinander?
Wie überwindet man gesellschaftliche und politische Spaltungen?
Wie überwindet man eine kulturell, tief verwurzelte Fixierung auf Wirtschaft und Kommerz?
Wie überlebt man in einem autoritären, kranken System und bewahrt dabei seine psychische und charackterliche Integrität?
Wie überwindet man die gesellschaftlichen und individuellen Defizite, die zwangsläufig entstehen in einem System das ausschließlich auf Konkurrenz und Gewinn orientiert ist?
Wie bewahrt man sich persönliche Integrität und Lebensfreude in einer Mangelwirtschaft?